Die im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) festgesetzte Vorschrift für eine „Eheliche Lebensgemeinschaft“, Paragraph 1353, lautet:

»(1) Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen. Die Ehegatten sind einander zur ehelichen Lebensgemeinschaft verpflichtet; sie tragen füreinander Verantwortung.

(2) Ein Ehegatte ist nicht verpflichtet, dem Verlangen des anderen Ehegatten nach Herstellung der Gemeinschaft Folge zu leisten, wenn sich das Verlangen als Missbrauch seines Rechts darstellt oder wenn die Ehe gescheitert ist.« https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1353.html

Wer sich an Absatz 1 dieses Gesetzes hält, schließt die Liebe reifer, unabhängiger erwachsener Menschen aus bzw. steht deren Entfaltung im Weg. Die Pflicht, den jeweils anderen zu verantworten, nötigt die miteinander durch diesen Vertrag Gebundenen zum Verliebtsein, zum Aufrechterhalten einer auf Täuschung beruhenden Abhängigkeit, sofern sich nur einer von ihnen auf diese Pflicht beruft, um nicht von dem anderen verlassen, auf sich selbst zurückgeworfen, ent-täuscht zu werden.

Gemäß Absatz 2 ist ein Ehegatte allerdings „nicht verpflichtet, dem Verlangen des anderen Ehegatten nach Herstellung der Gemeinschaft Folge zu leisten, wenn sich das Verlangen als Missbrauch seines Rechts darstellt“.

Laut Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland ist die Würde des Menschen unantastbar, sie zu achten und schützen Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. Jeder hat das Recht auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, auf Leben und körperliche Unversehrtheit, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern. Unverletzlich seien die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses. https://www.gesetze-im-internet.de/gg/BJNR000010949.html

Wir bedürften keiner Rechtsanwälte, wären Vertragspartner in der Lage und bereit anzuerkennen, dass der Gebrauch verbaler Sprache sinnlos ist, wenn die miteinander Kommunizierenden deren zu unterst liegende Bedeutung missachten. Was könnten wir uns sparen an ausschweifenden Wortschlachten, Diskussionen, Debatten und Streitereien?

Worum geht es eigentlich? Was ist das Eigentliche? Eigene? Wer darum für sich allein nicht weiß, wie sollte er sich in einer Gemeinschaft durchsetzen, verständlich machen, artikulieren können?

Wer bist du? Was willst du? Was denkst du? Was fühlst du? Diese Fragen kann nur einer beantworten: Du selbst! Du für dich! Das ist Eigen-ver-Antwort-ung.

Es ist allein an dir selbst, dich zu definieren. Deine Sprache zu studieren, ergründen, hinterfragen und dich selbst auszudrücken, zu zeigen. Du allein verantwortest, ob du etwas sagst (oder schreibst), was du sagst, wem du es sagst … alles! Denn du bist das alles selbst! Und niemand außer dir kann dich verantworten! Für dich sprechen, für dich antworten, für dich leben, denken, fühlen, sein und schweigen.

Einmal angenommen, Jesus hätte als Mensch tatsächlich gelebt. Dann war er eine Persönlichkeit, ein Individuum mit den gleichen Rechten wie jeder andere. Wie können ihn dann unzählige Bräute im Nachhinein ehelichen? Ohne seine Unterschrift? Was treiben religiöse Institutionen, Sekten, Kirchen, Klostergemeinschaften mit und in seinem Namen? Vielleicht war Jesus als Mensch tatsächlich mit einem anderen Menschen, einer Frau, einer individuellen Persönlichkeit verheiratet, die kein Interesse daran hatte, sein Vermächtnis mit einem Harem von Gottesanbeterinnen zu teilen oder gar selbst einen Orden zu gründen?

Wir können weder Jesus noch Maria Magdalena persönlich fragen. Über ihre Köpfe und Herzen hinweg Entscheidungen zu treffen, die nur sie selbst etwas angingen, würden sie noch leben, ist Missbrauch, bevormundend, entwürdigend, vereinnahmend, vergewaltigend, entehrend, freiheitsberaubend – narzisstisch.

Wäre ich anstelle von Maria Magdalena in dem Wissen, dass Gott (und nicht Jesus) als Urquelle allen Lebens gilt, würde ich jeden, der auf der Suche nach Jesus als Stellvertreter Gottes an meine Tür klopft, mit reinem Gewissen zurückweisen.

 

Jutta Riedel-Henck, aus: Narzissmus geht uns alle an. Die Rehabilitierung des Ego. 20. Januar 2026 – ...