Jutta Riedel-Henck ♦ Schulstr. 10 ♦ D–27446 Deinstedt

An den
Bundespräsidenten
Bundespräsidialamt
Spreeweg 1
11010 Berlin

 

10. Mai 2021

 

Betreff: Deutsche Künstlerhilfe, Ablehnung eines Antrages durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur, Geschäftszeichen XXXXXXX vom 29.4.2021, Bearbeitet von XXXX XXXXX, Korrespondenz mit Betreuungsverein XXXXXXX.

 

Sehr geehrter Herr Bundespräsident,

ich wende mich hiermit direkt an Sie als Bundespräsident bezüglich der von Bundespräsi­dent Theodor Heuss 1953 gegründeten „Deutschen Künstlerhilfe“, welche der Unterstüt­zung von Künstlern gewidmet ist, „die mit ihrem Werk eine kulturelle Leistung für die Bundesrepublik Deutschland erbracht haben und durch Krankheit, Alter oder widrige Um­stände in finanzielle Bedrängnis geraten sind“.

(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_K%C3%BCnstlerhilfe)

Seit mehr als 10 Jahren erhielt mein Mann Herbert Henck infolge seiner zunächst selbst gestellten Anträge finanzielle Zuwendungen der Deutschen Künstlerhilfe, die ihm und da­mit auch mir und unserer Tochter in den Jahren nach seinem Schlaganfall im Jahr 2005 sehr geholfen haben, wofür ich mich an dieser Stelle einmal persönlich bedanken möchte.

In einem Brief vom 19. September 2020 schilderte ich Frau XXXXX XXXXXXX, Mitarbeite­rin im Bundespräsidialamt, unsere überaus schwierige Situation, die sich durch die gesetz­liche Betreuung und seinen Aufenthalt in einem Pflegeheim extrem zugespitzt hat – wor­auf sie mir freundlich und verständnisvoll antwortete.

Nun wurde mir zur Kenntnis vom Amtsgericht Zeven ein schriftlicher Briefwechsel zwi­schen Betreuungsbüro und dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur zugesandt, der mich ratlos und gleichfalls zutiefst betroffen hinterlässt. Darin heißt es, Zweck der Beihilfe sei es, das künstlerische Schaffen anzuregen und gegebenenfalls verrentete Künstler zu einem Spätwerk zu motivieren. Da dies von Herrn Henck, wel­chem inzwischen der Pflegegrad 5 von der Krankenkasse „zuerkannt“ worden sei, nicht mehr erwartet werden könne, sei der Antrag abgelehnt worden.

Dass Herbert Henck mit seinem „Werk eine kulturelle Leistung für die Bundesrepublik Deutschland erbracht“ hat „und durch Krankheit, Alter oder widrige Umstände in finanzi­elle Bedrängnis geraten“ ist, wurde in all den Jahren von Ihnen anerkannt und entspre­chend gefördert.

Die Ablehnung des Antrages aus dem Jahr 2021 lässt mich aber nun schlussfolgern, dass ein Künstler, wenn er nicht mehr leistungsfähig ist und eine Hoffnung auf „Wiederherstel­lung“ seiner Leistungsfähigkeit aufgegeben wurde, nicht mehr förderungs- und damit auch nicht mehr lebenswürdig sei.

Ich kenne Ihre Satzungen nicht. Und selbst, wenn dies aus den Satzungen so hervorginge und sich als rechtmäßig herausstellte, frage ich mich, ob es mit dem Gewissen und dem Herzen des Gründers Theodor Heuss vereinbar wäre. Und Sie als aktuellen Bundespräsi­denten, welcher das Erbe seiner Vorgänger angetreten hat, so, wie alle Künstler das Erbe ihrer künstlerischen Ahnen durch ihr eigenes Dasein und Wirken weitertragen und ehren, bitte ich um eine Begründung einer solchen Vorgehensweise.

Meinen hier erwähnten Brief vom 19. September 2020 können Sie bei Bedarf gerne einse­hen. Ich möchte Sie an dieser Stelle nicht mit weiteren Ausführungen überfrachten, bin aber gerne bereit, Rede und Antwort zu stehen, wenn es darum geht, das Werk und damit ganze Leben Herbert Hencks als absolut verdienstvoll nicht nur für die Bundesrepublik Deutschland darzustellen und dies durch meine Worte und Schilderungen zu beweisen und bekräftigen.

Die schwere Krankheit von Herbert Henck sehe ich als Folge seines großen Leidens unter der mangelnden Wertschätzung bis Ignoranz seines Schaffens und damit seiner Person. Muss ein Künstler erst tot sein, damit er diese nach vielleicht 100 Jahren erhalten darf?

Unsere Geschichte könnte dies vermuten lassen.

Ich hoffe sehr, dass auch Sie und alle irgendwie Beteiligten und Betroffenen daraus ge­lernt haben, um jenen Künstlern, die ihr Leben still und leise ohne Marktschreierei in ab­soluter Hingabe dem Ausdruck der Wahrhaftigkeit widmen, zumindest Wertschätzung ent­gegenzubringen, wenn sie in den letzten Atemzügen unter uns weilen und nur noch auf ihren irdischen Tod hoffen, weil ein Weiterexistieren unter diesen unwürdigen Bedingun­gen ihnen unerträglich scheint. Mein Mann vollzieht seit Jahren einen lang hingezogenen Selbstmord. Seine Seele und damit sein Bewusstsein wird auch nach seinem physischen Tod weiterleben. Wie all die Seelen der wahrhaftigen Künstler unseres wunderbaren ein­zigartigen Landes: Deutschland.

Seine Werke, alle wahrhaftigen Werke bleiben erhalten und sind im Grunde mit keinem Geld der Welt zu bezahlen.

Mit traurigen, freundlichen Grüßen

Jutta Riedel-Henck