Facebook ist ein soziales Netzwerk. Wer darin ein eigenes Konto hat und mit anderen Menschen, Personen verknüpft ist (diese Personen werden Freunde genannt), bekommt täglich vor Augen geführt, dass alle darin Wirkenden direkt oder auf Umwegen miteinander verbunden sind, ein Ganzes bilden, ein System.

Was der Einzelne schreibt, veröffentlicht, wird zum Teil des Ganzen und verändert das System. Dieser Macht und Verantwortung scheinen sich manche oder auch ein paar mehr bis viele oder die meisten nicht bewusst zu sein. Da wird eifrig geteilt, geklickt, verbreitet, kommentiert, bis zu dem Moment, da ein Konflikt zu deutlich spürbarem Unwohlsein einiger Beteiligter führt. Das ist oft der Anfang einer kriegerischen Schlammschlacht.

Und wer ist Schuld?

Ich veröffentliche an dieser Stelle einen Kommentar von mir, der stellvertretend für diverse andere Streitfragen stehen könnte. Es geht um einen Blog-Artikel, der in meinem "News-Feed" erschien, welchen ich kurz per Mausklick „öffnete“, um den Anfang zu lesen und zu beschließen, mich mit den Gedanken des Autors nicht weiter befassen zu wollen. Ich hatte mich längst für meine Art zu komponieren entschieden, ohne mir Gedanken zu machen, wie andere das finden, ob es in irgendwelche Konzepte von X oder Y passt. Meine Intention ist nicht, anderen zu gefallen, sondern meiner inneren Stimme zu folgen, meinem Empfinden, aus meinem Herzen heraus zu „gebären“, was mir gut tut, mich glücklich macht, friedlich, gesund, ausgeglichen. Ich „diene“ meinem Empfinden, nicht den Meinungen anderer.

Erst, als ein weiterer Artikel in meinem News-Feed auftauchte, fühlte ich mich angesprochen, einzugreifen. Denn was ich nun las, erinnerte mich an meine eigenen Erfahrungen aus alten Zeiten. Ich dachte an mir nahe stehende Menschen, die sich aus ähnlichen Konflikten bis heute nicht haben lösen können, um zu ihrem eigenen Bedürfnis zu stehen, Harmonie in ihrer Seele, damit ihrem Leben und Umfeld zuzulassen. Sich selbst das Empfinden des Heilseins, des Eins-Seins zu gönnen, der Glückseligkeit, der absoluten Hingabe an das, was ich nach wie vor göttlich bzw. Gott nennen möchte, ungeachtet aller bekannten religiösen Lehren, Glaubensgemeinschaften, spirituellen Gruppierungen usw.

Mit einem Wort lässt sich das Empfinden nicht beschreiben oder gar ersetzen. Nur eine Brücke zu ihm bauen, die hinter sich lassen muss, wer frei von formellen Besetzungen finden will, was in ihm ist: im puren Sein aufzugehen.

Aus diesem puren Sein, dem „Nichts“, lasse ich aufsteigen, was mir zufliegt: aus meinem Inneren, Innersten ... das zugleich das Äußere, Äußerste, Weiteste ist, grenzenlos.

Wie Sie sehen, benutze ich dafür die Formen von Buchstaben, die ich über eine Tastatur eingebe, ausdru(e)cke, manifestiere. Sie können sich einen Buchstaben herausnehmen und (wahrscheinlich) erkennen: das m ist ein m. Wie auf Ihrer Tastatur auch. Diese Formen sind somit nicht neu. Aber was ist neu?

Ich entscheide mich, diese „bekannten“ alt bewährten Formen zu benutzen, um mich auszudrücken. Bewährt hat sich für mich auch die deutsche Grammatik, die ich nicht in jedem Moment infrage stellen will, weil auch sie mir wunderbar dient. Wie so vieles, das sich über Jahre, Jahrzehnte, Jahrhunderte als sinnvoll erwiesen hat, um etwas zu tun, das ich als wertvoll empfinde. Es hat sich bewährt auch und gerade, um mit anderen Menschen zu kommunizieren, dabei im Gespräch Probleme zu lösen. Es ist ein Gemeinschaftswerk der Menschheit. Ein wunderbares Fahrzeug, für das ich sehr dankbar bin.

Aus Fehlern lernen wir. Kleine Kinder stecken Bauklötze in unterschiedliche Öffnungen, um herauszufinden, wie das eine zum anderen passt, dazu gehört auch und gerade die Erfahrung der Verneinung, d. h. wenn etwas nicht zusammenpasst. Daraus resultieren neue Fragen, die sich der Forschende stellt, um auch diese lösen zu wollen. Durch Versuch und Irrtum. Aber eben auch durch Erfolg!

Wenn ich einmal weiß, wie ich den einen Klotz am schnellsten in eine Kiste legen kann, und dies mein Ziel ist, warum sollte ich dann bewusst Fehler machen und Umwege gehen?

Damit sage ich nicht, dass jeder Mensch nun einen Klotz direkt in eine Kiste zu legen hätte. Ich sage nur: Meine Intention ist dies, wenn ich mich dafür entscheide. Und dann mach ich das so.

Bei dieser Diskussion um „neue Musik“ erscheint es mir aber so, als ob jener, der für sich entschieden hat, den Klotz nicht in die Kiste zu legen, mich, die entschieden hat, den Klotz in die Kiste zu legen, für unfrei hält. Nur, weil ich keine Lust habe, seine Entscheidung, den Klotz nicht in die Kiste zu legen, zu teilen, d. h. mit ihm gemeinsam seinen (Um)weg zu gehen.

Das ist für mich Ausdruck von diktatorischem Gehabe. Er will frei sein, Umwege zu gehen, ist aber nicht so frei und eigenständig, dies schlicht zu tun: all-ein! Stattdessen will er andere überzeugen, mit ihm zu gehen. Also macht er jene schlecht, die dazu keine Lust haben. Und dann folgen gerne weitere Theater-Szenen und dramaturgische Umsetzungen, um potenzielle Mitläufer auf sich aufmerksam zu machen, anzuwerben, zu überzeugen.

Ich will das nicht weiter ausführen, es gibt dafür unzählige Beispiele tagtäglich überall.

Jutta Riedel-Henck, 12. Dezember 2019

 

Und nun mein Kommentar vom 11.12.2019 zu einem Facebook-Eintrag von Moritz Eggert in seiner Chronik, da er auf seinen aktuellen Artikel verweist mit einer Bemerkung, die ich an dieser Stelle nicht wiedergeben möchte, der Interessierte kann sich bei Bedarf selbst in der Chronik von Moritz Eggert umschauen:

 

In dieser Welt verteidigt jeder sich aus seiner ganz persönlichen Perspektive und Weltanschauung, kein Weltbild gleicht dem anderen. Sie fühlen sich im Recht, Herr Eggert, viele Ihrer Leser geben Ihnen Recht – und Guy Deutscher Unrecht (er sei gar schlicht bekloppt). Wenn Sie sich also im Recht fühlen, warum rechtfertigen Sie sich dann ständig? Wäre doch gar nicht nötig?

Vom höchst möglichen Standpunkt gesehen hat jede/r immer Recht. Das gilt nicht nur für die Musik, sondern ebenso für die verbale Sprache, für das gesamte Leben!

Solange dieser höchst mögliche Standpunkt nicht eingenommen wird, kann es keinen Frieden geben. Polarisieren, Dualität ... ist alles völlig OK (auch dazu haben wir Menschen alle Freiheit), nur stellt sich die Frage: Soll es dabei bleiben? So weitermachen? Dann wird es keine Lösung geben können.

Das trifft auf alles zu. Das trifft auf diese mediale Schlacht um Siegfried Mauser zu, um die AfD, Donald Trump ... um mal so ein paar beliebte Feindbilder zu erwähnen.

Moritz, Sie haben das Recht, das zu denken und schreiben und tun, was Sie denken und schreiben und tun wollen. Alma hat das Recht, das zu denken und schreiben und tun, was sie denken und schreiben und tun will. Guy Deutscher hat dieses Recht. Ausnahmslos jede/r! DAS ist Freiheit. Und wir alle SIND so frei, keiner muss es werden. Wir sind auch frei, uns für Gefangenschaft zu entscheiden. Wir sind frei, uns in einen Raum zu begeben und alle Türen und Fenster zu schließen. Wir sind frei, uns zu fokussieren auf bestimmte Ausschnitte, auf eine Note, einen Ton, eine Wortbedeutung, ein Bild ... Ausnahmslos jede/r ist ständig so frei, das zu entscheiden. Das war schon immer so. Da muss also niemand kommen und einen anderen befreien, da jede/r frei ist.

Sie scheinen das aber zu glauben, zumindest lese ich das aus Ihrem Artikel heraus. Da erscheint Alma wie ein unmündiges kleines Kind, das Sie retten müssten aus den Klauen einer bösen Musikindustrie, und nun lese ich in den Kommentaren noch Schlimmeres. Das sind die Kommentare Ihrer Leser. Ich weiß nicht, ob Sie diese unterschreiben würden. Aber gemessen an Ihren Reaktionen und Andeutungen habe ich zumindest diesen Eindruck.

Für mich ist diese Art und Weise, über einen jungen Menschen, eine junge Frau zu schreiben, bereits Missbrauch. Sie sehen das offenbar anders. Aber völlig unabhängig von dem Brief Guy Deutschers habe ich das als erstes empfunden, als ich Ihre Zeilen las! Ich habe mich in diesen jungen Menschen hineinversetzt und mich dabei selbst wiedergefunden, denn ich kenne diese Art von Behandlung sehr gut und wie schlimm sich das anfühlt, wenn Erwachsene einen jungen Menschen als altklug hinstellen, nur, weil er wütend ist und das auch zeigt – wie Alma bei ihrem Auftritt bei der Preisverleihung. Natürlich wirkte sie schnippisch. Sie hatte endlich mal die Gelegenheit, das öffentlich zu sagen, was sie immer und immer wieder zu hören und spüren bekam: Dass sie nicht ernst genommen wird. Dass ihr so viele sagen, dass das, was sie mache und auf welche Weise, noch nicht richtig sei, da sie noch ein Kind sei, dass es nicht rebellisch genug sei oder welche Worte auch immer hier nun gefallen sein mögen. Dass es nicht originell genug sei. Und und und ... setzen Sie hier gerne Ihre eigenen Worte ein (in Gedanken).

Sie geben sich so großzügig in Ihrem zweiten Schreiben, Herr Eggert. Aber ein Einsehen haben Sie auch in Ihren weiteren Schreiben nicht gezeigt. Gewiss ist Ihr Schreiben, der Ausgangsartikel, nur eine Art Tropfen, der ein Fass zum Überlaufen brachte bei Guy Deutscher, der seine Tochter liebt und sie kennt und sie begleitet und sie sehr ernst nimmt! Ich denke, im Angesicht der Biografie, der schrecklichen Erfahrungen, die in seiner Seele lasten, in den Seelen der mit ihm Verbundenen, sollte das mehr als verständlich sein, wenn diese Reaktion so geladen war. Aber Sie waren doch nicht weniger geladen und sind es nach wie vor.

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, dass zwei Menschen, die einander begegnen, etwas miteinander zu tun haben? Dass dies kein Zufall ist? Dass ein explosiver Streit immer Ursachen hat? Auf beiden Seiten? Und beide Seiten aus ihrer jeweils persönlichen Sicht das Recht haben, so zu denken und fühlen und handeln, wie sie es tun? Sie haben es, Herr Deutscher hat es. Die Frage ist nur: Geht es darum, den anderen zu besiegen? Dass er schweigen möge? Unterliegen?

Ich habe diesen Eindruck von Ihnen und Ihren „Freunden“. Und ja, Sie haben Herrn Deutscher herausgefordert, womöglich auch einige seiner Freunde bzw. Freunde von Alma und ihrer Musik. Wundert Sie das wirklich? Dass diese ihrerseits nun ihre Meinung äußerten und ihrem Unmut ein Gesicht schenkten? Haben SIE Ihrerseits sich wirklich einmal Gedanken gemacht, was sie Ihnen damit Neues, Ihnen Ungewöhnliches sagen möchten oder könnten, bzw. ob Sie Ihrerseits vielleicht etwas mit anderen Augen oder erweiterter Perspektive neu betrachten könnten? Auch und gerade, was Ihre Musik betrifft?

Es gibt keine Zufälle. Was Ihnen begegnet, mehr noch, was Sie wahrnehmen, hat immer mit Ihnen selbst zu tun. Und wenn es Ihnen so energisch begegnet, dann mag das bedeuten, dass Sie zuvor die feinen Vorläufer nicht bewusst wahrgenommen haben. Also wird es lauter und lauter und lauter ... bis Sie endlich einmal innehalten und wirklich bereit sind, zuzuhören! Statt nur auszuholen und Ihre Sichtweise zu verteidigen und behaupten.

Sie geben sich so frei oder offen und vielfältig ... aber in Ihrer Art und Weise, Gespräche zu führen, wirken Sie auf mich sehr, sehr, sehr engstirnig. Und festgefahren. Und konservativ. Konservierend. Lesen Sie sich doch einmal all Ihre eigenen Texte durch und stellen sich vor, Sie selbst wären damit gemeint. Mit Alma, mit all den Figuren darin. Sie sind (wie jeder andere auch) Autor Ihres Lebens. Wenn es Ihnen also nicht gefällt, wie es jetzt gerade läuft in dieser Angelegenheit, dann ist es einzig an Ihnen, etwas zu ändern. Sie können andere Menschen nicht ändern, nur sich selbst. Und das gilt für jede/n von uns.

Vielleicht schauen Sie sich auch mal jene Videos an, da Alma von sich erzählt, wie sie ihre Kompositionen empfängt. Vielleicht schauen Sie sich einmal an, mit welcher unglaublichen Freude und Liebe sie am Flügel sitzt und spielt und allein durch ihren Gesichtsausdruck eine tiefe Zufriedenheit ausstrahlt und viel mehr, das lässt sich gar nicht in Worte fassen.

Wenn Sie aber weiterhin mit Ihrer sehr eng gefassten Meinung über Alma denken und schreiben, liegt es nahe, dass Sie sich vor allem sorgen und sorgen und mahnen und in Dissonanzen hängen bleiben, also Ihrem dissonanten Bild von ihrem Leben und Wirken und ihrer Musik. Sie projizieren ja nur Ihre eigenen Urteile auf Alma und ihre Familie. Und genau das werfen Sie jenen vor, die Ihrer Meinung nach erzkonservativ gegen alles „Neue“ und Ungewöhnliche wettern.

Narziss ist verliebt in seinen Spiegel ... schlägt rein und jammert, schlägt wieder zu und jammert, schlägt zu und jammert ... weil er nach wie vor nicht merkt, dass er selbst es ist, der sich ständig schlägt.

So ist das mit der versteckten schwarzen Pädagogik, die in uns allen nach wie vor als Erbe Spuren ließ und wirkt. Und so mögen Sie vielleicht die „Nazikeule“ mit dem „Führerbunker“ einmal neu betrachten. Ein offensichtlich „Rechter“, der mit plumpen Parolen herumblökt, der ist offensichtlich rechts und festgefahren und gefährlich. Aber jene, die sich freiheitlich geben, reden, schreiben, so tun als ob – und das auch noch selbst glauben, felsenfest von sich überzeugt ... werden ihrer eigenen blinden schwarzen Flecke nicht gewahr.

Thomas Mann schrieb einst von „Bruder Hitler“.

Versöhnung, Frieden kann es nur geben, wenn ausnahmslos jeder und jede von uns die blinden Flecke im eigenen Denken zu erkennen bereit ist, ohne von außen darauf gestoßen zu werden. Diese Bereitschaft vermisse ich bei sehr vielen Menschen, und gerade jene sind es, die sich mit Hingabe in der Öffentlichkeit verausgaben, um das Unrecht im Gegenüber zu benennen und entlarven.

Lieber Herr Eggert, Sie sind mir schlicht zu laut. Ich habe sogar in einige Kompositionen reingehört ... aber in keiner habe ich diese Bereitschaft herausgehört, etwas zu lassen ... Stille ... Weite ... Freundlichkeit ... Liebe ... bei Alma durchaus. Und ich kannte weder Ihre noch Almas Kompositionen bis vor ein paar Tagen.

Ich bin so frei, mich für Alma zu entscheiden, wenn es darum geht, mir Musik anzuhören. Weil ich den Frieden liebe und dafür lebe. Frieden kann nur der Friedliche schaffen.

Alles Gute!

Und nun bin ich zum letzten Mal hier gewesen in Ihrem Bereich.

 

 

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